
Bugatti W16 Mistral „Fly Bug“: Die Libelle aus Molsheim
Ein langjähriger Sammler, vier miteinander verbundene Einzelstücke, ein gemeinsames Thema: die Natur. Den Abschluss macht ein Bugatti, der aussieht, als hätte ein Insekt Pate gestanden.
Einen Bugatti von der Stange gibt es nicht – und wer das bezweifelt, hat noch nie einen Blick in das Sur-Mesure-Programm der Franzosen geworfen. Dort entstehen Fahrzeuge, die weniger mit dem Serienmodell gemein haben als mit maßgeschneiderter Haute Couture. Der W16 Mistral „Fly Bug“ ist das jüngste Ergebnis dieser Disziplin – und gleichzeitig der vierte und letzte Teil einer Kollektion, die ein und derselbe Sammler in Auftrag gegeben hat.
Ein Thema, vier Autos
Was die Fahrzeuge dieser Sammlung verbindet, ist die Inspiration durch natürliche Vorbilder. Veyron Grand Sport Vitesse, Chiron und Divo gingen voraus, jeder von ihnen mit einem eigenen gestalterischen Bezug zur Natur. Der Mistral schließt diese Reihe ab – und hat sich die Libelle als Vorbild gesucht. Ein Insekt, das seit Millionen Jahren im Wesentlichen unverändert existiert und trotzdem fasziniert: durch Geschwindigkeit, Transparenz und die schillernde Farbigkeit seiner Flügel.
Farbe als Argument
Den größten Eindruck hinterlässt der „Fly Bug“ mit seiner Lackierung. Die speziell entwickelte Farbe „Dragonfly Blue“ wechselt je nach Lichteinfall zwischen Blau und Türkis – eine Eigenschaft, die libellennahe Flügelstrukturen in der Natur ebenfalls zeigen. Das ist kein Marketingversprechen, sondern optisch tatsächlich wahrnehmbar.
Dazu kommt ein neu entwickeltes Ellipsenmuster, das sich über die gesamte Karosserie zieht und sich zum Heck hin verdichtet, wo es in die dunklen Lufteinlässe übergeht. Eine grafische Lösung, die das Fahrzeug von allen Vorgängermodellen der Sammlung unterscheidet und dennoch erkennbar auf deren Formensprache aufbaut. Selbst die Felgen folgen dem Farbschema – trotz der unterschiedlichen Anforderungen an Material und Lackierung technisch keine Kleinigkeit.
Innen: Schichten über Schichten
Im Interieur wird das Konzept konsequent weitergeführt. Bugatti setzt auf ein mehrschichtiges Materialsystem: Leder mit geometrischem Muster liegt über Alcantara, eine spezielle Oberflächenbehandlung erzeugt dabei eine dreidimensionale Wirkung. Das Ellipsenmotiv zieht sich durch die Türverkleidungen und wurde an die jeweiligen Bauteilgeometrien angepasst – erstmals bei einem Bugatti sowohl an der Vorderseite der Verkleidungen als auch im Bereich der Armlehnen.
Besonderes Augenmerk verdient die Integration des Bugatti-Macarons in das grafische Muster der Seitenlinie. Am Schalthebel findet sich außerdem die Skulptur „Dancing Elephant“ – ein Verweis auf Rembrandt Bugatti, den bildhauerisch begabten Bruder von Firmengründer Ettore, der vor allem für seine Tierdarstellungen bekannt war.
Monate Arbeit für ein Einzelstück
Zwischen erstem Entwurf und fertigem Fahrzeug lagen mehrere Monate. Designchef Frank Heyl entwickelte die gestalterische Grundidee im direkten Austausch mit dem Sammler, das Berliner CMF-Team übernahm anschließend die handwerkliche Ausarbeitung.
Das Ergebnis ist ein Mistral, der als Einzelstück funktioniert, aber erst im Kontext der Sammlung seine ganze Bedeutung entfaltet. Vier Autos, ein Sammler, ein Thema. Was der nächste Bugatti aus dieser Zusammenarbeit wird, ist offen – ob es überhaupt einen gibt, ebenfalls.
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