
Ferrari Luce: Maranello zündet die nächste Stufe – mit Strom
Erst der SUV, dann der Hybrid, jetzt der erste reine Elektro-Ferrari. Der Luce ist kein Kompromiss – er ist ein Aufschlag.
Ferrari hat sich immer Zeit gelassen. Den SUV lehnte man jahrzehntelang kategorisch ab – bis der Purosangue kam und die Kunden Schlange standen. Hybridantriebe galten als artfremd – bis sie sich stillschweigend durchsetzten. Und ein vollelektrischer Ferrari? Undenkbar, hieß es lange. Jetzt steht der Luce in Maranello, fünf Meter lang, 1.050 PS stark, und trägt einen Namen, der auf Deutsch schlicht Licht bedeutet. Die Botschaft ist kaum zu übersehen.
Kein zugekaufter Baukasten
Was Ferrari beim Luce besonders betont, verdient Aufmerksamkeit: Sämtliche Kernkomponenten – Elektromotoren, Akkupaket, Plattform – entstehen im eigenen Haus. Ferrari hat eine komplett neue 800-Volt-Architektur entwickelt, eigens für dieses Modell.
Groß, glatt, anders
Mit 5,03 Metern Länge, knapp zwei Metern Breite und 1,54 Metern Höhe ist der Luce das größte Serienmodell, das Ferrari je gebaut hat. Vier Türen, gegenläufig öffnend.
Das Design stammt vom britisch-amerikanischen Kreativkollektiv LoveFrom, gegründet von Jony Ive und Marc Newson. Die Karosserie ist konsequent auf Aerodynamik getrimmt: alle Oberflächen fließend und unterbrechungsfrei, Front- und Heckleuchten transparent und im ausgeschalteten Zustand kaum sichtbar, aktive Aerogitter steuern den Luftstrom zu den Kühlern. Es soll der niedrigste cW-Wert sein, den ein Ferrari in Serie je erreicht hat.
Vier Motoren, ein Ziel
An jedes Rad ist ein eigener Elektromotor gekoppelt. Systemleistung: 772 kW (1.050 PS) bei 990 Nm maximalem Drehmoment. Von null auf 100 km/h vergehen 2,5 Sekunden, die 200-km/h-Marke fällt nach 6,8 Sekunden. Topspeed: 310 km/h.
Die Energie liefert ein 122-kWh-Akkupaket. Die WLTP-Reichweite soll bis zu 530 Kilometer betragen. DC-Laden ist mit bis zu 350 kW möglich – in 20 Minuten sollen rund 70 kWh nachgeladen werden. Für Wallbox-Nutzer steht ein 22-kW-Onboard-Lader bereit. Das Leergewicht liegt bei 2.260 Kilogramm.
Innenraum ohne Mitteltunnel
Wahlweise vier oder fünf Sitze, alle elektrisch verstellbar. Das Cockpit setzt auf ein Dreispeichenlenkrad mit dem e-Manettino, das fünf Fahrmodi regelt. Das Soundsystem leistet 3.000 Watt über 21 Lautsprecher – und erzeugt auf Wunsch einen synthetischen Motorsound, der direkt auf den Geräuschen der Achs- und Motorsensoren basiert.
Fahrwerk und Chassis
Das Fahrwerk arbeitet mit aktiv gesteuerten Federelementen, bei hoher Geschwindigkeit senkt sich die Karosserie automatisch um zehn Millimeter ab. Eine Allradlenkung erhöht die Agilität. Die Gewichtsverteilung liegt bei 47 zu 53 Prozent zugunsten der Hinterachse. An den Rädern sitzen 23-Zoll-Felgen vorn und 24-Zöller hinten.
Preis und Farben
Einen offiziellen Preis nennt Ferrari nicht. Kolportiert werden rund 500.000 Euro. Erhältlich sein wird der Luce in den Farbtönen Azzurro la Plata, Giallo Luce, Rosso Dino, Bianco Artico und Rosso Fiammante.
Ob Ferraris Stammkundschaft den Elektroantrieb und die neue Formensprache annimmt, wird sich zeigen. Ferrari hat sich lange Zeit gelassen – und setzt jetzt alles auf eine Karte.
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