drivereport
Ford in Europa: Neustart mit sieben Modellen und einem klaren Bekenntnis
News19. Mai 2026

Ford in Europa: Neustart mit sieben Modellen und einem klaren Bekenntnis

drivereport Redaktion← Alle News

Der US-Hersteller hat in Salzburg seine Europastrategie offengelegt. Der Plan ist ambitioniert – und dringend nötig.

Wer in den vergangenen Jahren Fords europäische Produktpalette verfolgt hat, weiß: Es war kein schöner Anblick. Der Focus ist weg, der Fiesta ist weg, der Marktanteil in Deutschland liegt bei mageren 3,3 Prozent. Dass man das nicht einfach aussitzt, hat Ford jetzt bei einem Händler- und Partnertreffen in Salzburg klargemacht. Sieben neue Fahrzeuge, eine digitale Offensive für Geschäftskunden und eine neue Markenstrategie – alles soll bis 2029 auf der Straße stehen.

Zwei Schienen, ein Ziel

Ford gliedert seinen Neustart in zwei parallele Spuren. Die eine stärkt das Nutzfahrzeuggeschäft, das in Europa seit elf Jahren Marktführer ist und diese Position offensichtlich nicht kampflos abgeben will. Die andere soll das Pkw-Segment wiederbeleben – mit fünf neuen Modellen, die alle in Europa gebaut werden und sich optisch auf die Rallye-Geschichte der Marke beziehen sollen.

Ford Pro: Vom Hardcore-Pickup zum Stadt-Transporter

Im Nutzfahrzeugbereich rückt zunächst der Ranger Super Duty in den Fokus. Die härteste Version des seit elf Jahren meistverkauften Pickups in Europa ist explizit für extreme Einsätze ausgelegt – Rettungsdienste, Forstwirtschaft, Bergbau, Militär. Acht Tonnen zulässiges Gesamtzuggewicht, 4,5 Tonnen Anhängelast und knapp zwei Tonnen Nutzlast sprechen für sich. Verstärkte Aufhängungen, Unterfahrschutz und erhöhte Bodenfreiheit sind seriенmäßig.

Am anderen Ende des Spektrums steht der Transit City: ein vollelektrischer Stadtlieferwagen, der bis Ende 2026 in drei Varianten erscheint – darunter eine Fahrgestellversion für individuelle Aufbauten.

Fünf neue Pkw bis 2029

Für das Privatkundensegment plant Ford bis Ende 2029 fünf neue Modelle mit flexiblen Antriebskonzepten. Konkret angekündigt sind: ein europäisches Modell der Bronco-Familie, ein kompaktes Multi-Energie-SUV ab 2028 aus dem spanischen Werk Valencia, ein sportliches Elektroauto im B-Segment sowie ein kleines urbanes E-SUV im gleichen Designstil. Dazu kommen zwei weitere Crossover-Modelle.

Das sportliche B-Segment-Elektroauto dürfte auf einer Renault-Plattform basieren – ein offenes Geheimnis, das Ford selbst bestätigt. Christian Weingärtner, Generaldirektor der Ford-Pkw-Sparte in Europa, betont jedoch: „Das Fahrzeug, das auf dieser Plattform aufbaut, wird ein echter Ford sein – mit Ford-Design innen wie außen, Ford-Fahrdynamik und Ford-Abstimmung.“

Appell an Brüssel

Ford nutzte den Auftritt in Salzburg auch für eine politische Botschaft. Das Unternehmen bekennt sich zur Elektromobilität, fordert von der EU aber mehr Realismus: Regulatorische Ziele müssten mit der tatsächlichen Kaufbereitschaft der Verbraucher Schritt halten. Konkret spricht sich Ford für mehr Offenheit gegenüber Plug-in-Hybriden und Range-Extender-Elektroautos aus, sowie für gezielte Unterstützung kleiner Betriebe, die mit lückenhafter Ladeinfrastruktur kämpfen.

Ob der Plan aufgeht, entscheidet sich nicht in Salzburg, sondern auf der Straße – und in den Showrooms. Bis 2029 ist nicht mehr viel Zeit.

Weitere News