
Kurskorrektur in China: Mehr echte Tasten!
Kurskorrektur in China: Mehr echte Tasten, strengere Regeln für autonomes Fahren!
Kurskorrektur in China: Mehr echte Tasten, strengere Regeln für autonomes Fahren
China gilt als Taktgeber der automobilen Digitalisierung. Kaum ein Markt hat so konsequent auf große Displays, Sprachsteuerung und nahezu knopffreie Innenräume gesetzt. Nun deutet sich jedoch ein Richtungswechsel an: Zentrale Funktionen im Auto sollen künftig wieder über physische Bedienelemente erreichbar sein.
Auslöser ist ein Entwurf des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), das den Automobilsektor reguliert. Der Vorschlag sieht vor, bestimmte sicherheitsrelevante Funktionen zwingend mit realen Tasten oder Schaltern auszustatten – nicht ausschließlich über Touchscreens oder verschachtelte Menüstrukturen.
Sicherheit vor Design-Minimalismus
Betroffen sind essenzielle Funktionen wie Blinker, Warnblinkanlage, Fahrstufenauswahl und Notrufsysteme. Diese sollen künftig über klar definierte, physisch vorhandene Bedienelemente mit Mindestgröße bedienbar sein.
Die Botschaft ist eindeutig: Sicherheitskritische Funktionen dürfen nicht in digitalen Untermenüs verschwinden. Ziel ist es, Ablenkung zu reduzieren und eine intuitive Bedienung zu gewährleisten, ohne dass Fahrer den Blick unnötig lange von der Straße nehmen müssen.
Noch befindet sich der Entwurf in der Konsultationsphase. Dennoch sendet er ein deutliches Signal an die Industrie.
Abkehr vom reinen Touch-Konzept
In den vergangenen Jahren dominierten große Zentraldisplays das Cockpit-Design – inspiriert vom reduzierten Bedienkonzept von Tesla. Zahlreiche chinesische Hersteller übernahmen diesen Ansatz und verlagerten fast alle Funktionen auf Touchflächen.
Inzwischen wächst jedoch die Kritik. Viele Nutzer empfinden komplexe Menüstrukturen als umständlich, gerade in Stresssituationen. Auch in Europa zeichnet sich ein Umdenken ab: Künftige Sicherheitsbewertungen berücksichtigen stärker, ob zentrale Funktionen physisch erreichbar sind.
Höhere Hürden für Level 3 und 4
Parallel plant die chinesische Regierung strengere Anforderungen für automatisierte Fahrsysteme der Stufen 3 und 4. Hersteller sollen nachweisen, dass ihre Systeme mindestens das Sicherheitsniveau eines aufmerksamen menschlichen Fahrers erreichen.
Gefordert wird eine umfassende technische Dokumentation sowie der Beleg, dass die Systeme auch in komplexen oder risikobehafteten Situationen zuverlässig funktionieren. Zudem wird das Prinzip der „Minimal Risk Condition“ konkretisiert: Fällt das System aus oder reagiert der Fahrer nicht, muss das Fahrzeug selbstständig in einen sicheren Zustand übergehen.
Auch die Fernunterstützung für hochautomatisierte Fahrzeuge soll klar geregelt werden – ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die geplante Einführung von Robotaxi-Diensten.
Mögliche globale Auswirkungen
Als größter Automarkt der Welt setzt China regelmäßig Standards mit internationaler Strahlkraft. Sollte der Entwurf in geltendes Recht überführt werden, dürfte das auch weltweit Einfluss auf Cockpit-Design, Bedienkonzepte und die Entwicklung autonomer Systeme haben.
Die Debatte zeigt: Digitalisierung bleibt ein zentrales Thema – doch Sicherheit und intuitive Bedienbarkeit rücken wieder stärker in den Fokus.
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